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Warum ein "DoM"?

Papst Franziskus hatte von Mariä Empfängnis 2015 bis Christkönig 2016 ein außerordentliches "Heiliges Jahr der Barmherzigkeit" ausgerufen - ein zentrales Anliegen seines Pontifkates, das zentrale "DoM"-Anliegen.

Barm­her­zig­keit gilt es stets neu zu betrachten“

Jesus Chris­tus ist das Ant­litz der Barm­her­zig­keit des Vaters. Das Geheim­nis des christ­li­chen Glau­bens scheint in die­sem Satz auf den Punkt gebracht zu sein. (…) Als (…) die Zeit erfüllt war“ (Gal 4,4), sand­te Er, sei­nem Heils­plan ent­spre­chend, sei­nen Sohn, gebo­ren von der Jung­frau Maria, um uns auf end­gül­ti­ge Wei­se sei­ne Lie­be zu offen­ba­ren. Wer Ihn sieht, sieht den Vater (vgl. Joh 14,9). Jesus von Naza­reth ist es, der durch sei­ne Wor­te und Wer­ke und durch sein gan­zes Dasein die Barm­her­zig­keit Got­tes offenbart.

Die­ses Geheim­nis der Barm­her­zig­keit gilt es stets neu zu betrach­ten. Es ist Quel­le der Freu­de, der Gelas­sen­heit und des Frie­dens. Es ist Bedin­gung unse­res Heils. Barm­her­zig­keit — in die­sem Wort offen­bart sich das Geheim­nis der Aller­hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit. Barm­her­zig­keit ist der letz­te und end­gül­ti­ge Akt, mit dem Gott uns ent­ge­gen­tritt. (…) Barm­her­zig­keit ist der Weg, der Gott und Mensch ver­ei­nigt, denn sie öff­net das Herz für die Hoff­nung, dass wir, trotz unse­rer Begrenzt­heit auf­grund unse­rer Schuld, für immer geliebt sind. (…) Auf die Schwe­re der Sün­de ant­wor­tet Gott mit der Fül­le der Vergebung. (…)

Jesus als Salb­öl der Barmherzigkeit“

Alle, Glau­ben­de und Fern­ste­hen­de, mögen das Salb­öl der Barm­her­zig­keit [vgl. Lk 10,34] erfah­ren, als Zei­chen des Rei­ches Got­tes, das schon unter uns gegen­wär­tig ist. (…) Got­tes Barm­her­zig­keit ist nicht eine abs­trak­te Idee, son­dern eine kon­kre­te Wirk­lich­keit, durch die Er sei­ne Lie­be als die Lie­be eines Vaters und einer Mut­ter offen­bart, denen ihr Kind zutiefst am Her­zen liegt. Es han­delt sich wirk­lich um eine lei­den­schaft­li­che Lie­be. Sie kommt aus dem Inners­ten und ist tief­ge­hend, natür­lich, bewegt von Zärt­lich­keit und Mit­leid, von Nach­sicht und Ver­ge­bung. (…) Die Barm­her­zig­keit macht die Geschich­te Got­tes mit Isra­el zu einer Heilsgeschichte. (…) 

Wenn wir den Blick auf Jesus und auf sein barm­her­zi­ges Ant­litz rich­ten, sehen wir die Lie­be der Aller­hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit. Die Sen­dung, die Jesus vom Vater erhal­ten hat­te, war es, das Geheim­nis der gött­li­chen Lie­be in sei­ner gan­zen Fül­le zu offen­ba­ren. (…)
Alles in Ihm spricht von Barm­her­zig­keit. Nichts in Ihm ist ohne Mit­leid. (…) In den Gleich­nis­sen, die von der Barm­her­zig­keit han­deln, offen­bart Jesus die Natur Got­tes als die eines Vaters, der nie auf­gibt, bevor er nicht mit Mit­leid und Barm­her­zig­keit die Sün­de ver­ge­ben und die Ableh­nung über­wun­den hat. (…)

Barm­her­zig­keit als Impe­ra­tiv für uns Christen“

Jesus stellt fest, dass Barm­her­zig­keit nicht nur eine Eigen­schaft des Han­delns Got­tes ist. Sie wird viel­mehr auch zum Kri­te­ri­um, an dem man erkennt, wer wirk­lich sei­ne Kin­der sind. Wir sind also geru­fen, Barm­her­zig­keit zu üben, weil uns selbst bereits Barm­her­zig­keit erwie­sen wur­de. Die Ver­ge­bung von began­ge­nem Unrecht wird zum sicht­bars­ten Aus­druck der barm­her­zi­gen Lie­be, und für uns Chris­ten wird sie zum Impe­ra­tiv, von dem wir nicht abse­hen kön­nen. Wie schwer ist es anschei­nend, immer und immer wie­der zu ver­zei­hen! Und doch ist die Ver­ge­bung das Instru­ment, das in unse­re schwa­chen Hän­de gelegt wur­de, um den Frie­den des Her­zens zu fin­den. Groll, Wut, Gewalt und Rache hin­ter uns zu las­sen, ist die not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für ein geglück­tes Leben. (…)

Der Tra­ge­bal­ken, der das Leben der Kir­che stützt, ist die Barm­her­zig­keit. (…) Viel­leicht haben wir es für lan­ge Zeit ver­ges­sen, auf den Weg der Barm­her­zig­keit hin­zu­wei­sen und ihn zu gehen. Auf der einen Sei­te hat die Ver­su­chung, stets und allein die Gerech­tig­keit zu for­dern, uns ver­ges­sen las­sen, dass die­se nur der ers­te Schritt ist. Die­ser Schritt ist zwar not­wen­dig und uner­läss­lich, aber die Kir­che muss dar­über hin­aus­ge­hen um eines höhe­ren und bedeu­tungs­vol­le­ren Zie­les wil­len. Auf der ande­ren Sei­te ist es trau­rig anse­hen zu müs­sen, wie die Erfah­rung der Ver­ge­bung in unse­rer Kul­tur immer sel­te­ner wird. Sogar das Wort selbst scheint manch­mal zu ver­schwin­den. (…) Der Evan­ge­list gibt uns die Leh­re Jesu wie­der, der sagt: Seid barm­her­zig, wie es auch euer Vater ist“ (Lk 6,36). Es han­delt sich dabei um ein Lebens­pro­gramm, das sowohl sehr ein­for­dernd ist als auch vol­ler Freu­de und Frie­de. Die­ser Impe­ra­tiv Jesu rich­tet sich an alle, die sei­ne Stim­me hören (vgl. Lk 6,27).
Um fähig zu sein, die Barm­her­zig­keit zu leben, müs­sen wir also zunächst auf das Wort Got­tes hören. Das heißt, wir müs­sen den Wert der Stil­le wie­der­ent­de­cken, um das Wort, das an uns gerich­tet ist, medi­tie­ren zu kön­nen. Auf die­se Wei­se ist es mög­lich, die Barm­her­zig­keit Got­tes zu betrach­ten und sie uns anzu­eig­nen und zum eige­nen Lebens­stil wer­den zu las­sen. (…) Ange­rührt von sei­ner Barm­her­zig­keit kön­nen auch wir Tag für Tag barm­her­zig mit den ande­ren sein. (…)

Das Sakra­ment der Versöhnung

Mit Über­zeu­gung stel­len wir das Sakra­ment der Ver­söh­nung erneut ins Zen­trum, denn dar­in kön­nen wir mit Hän­den die Grö­ße der Barm­her­zig­keit grei­fen. Das Sakra­ment wird für jeden Buß­fer­ti­gen eine Quel­le wah­ren inne­ren Frie­dens sein. (…) Es ist nicht sinn­los, in die­sem Zusam­men­hang auf die Bezie­hung zwi­schen Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit hin­zu­wei­sen. Es han­delt sich dabei nicht um zwei gegen­sätz­li­che Aspek­te, son­dern um zwei Dimen­sio­nen einer ein­zi­gen Wirk­lich­keit, die sich fort­schrei­tend ent­wi­ckelt, bis sie ihren Höhe­punkt in der Fül­le der Lie­be erreicht hat. (…) 

Barm­her­zig­keit und Gerechtigkeit

Die Barm­her­zig­keit steht also nicht im Gegen­satz zur Gerech­tig­keit. Sie drückt viel­mehr die Hal­tung Got­tes gegen­über dem Sün­der aus, dem Er eine wei­te­re Mög­lich­keit zur Reue, zur Umkehr und zum Glau­ben anbie­tet. (…) Die Gerech­tig­keit allei­ne genügt nicht und die Erfah­rung lehrt uns, dass wer nur an sie appel­liert, Gefahr läuft, sie sogar zu zer­stö­ren. Dar­um über­bie­tet Gott die Gerech­tig­keit mit der Barm­her­zig­keit und der Ver­ge­bung. Das bedeu­tet kei­nes­falls, die Gerech­tig­keit unter­zu­be­wer­ten oder sie über­flüs­sig zu machen. Ganz im Gegen­teil. Wer einen Feh­ler begeht, muss die Stra­fe ver­bü­ßen. Aber dies ist nicht der End­punkt, son­dern der Anfang der Bekeh­rung, in der man dann die Zärt­lich­keit der Ver­ge­bung erfährt. Gott lehnt die Gerech­tig­keit nicht ab. Er stellt sie aber in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang und geht über sie hin­aus, so dass man die Lie­be erfährt, die die Grund­la­ge der wah­ren Gerech­tig­keit ist. (…)

zeit­lo­se Aus­zü­ge aus der Ver­kün­di­gungs­bul­le Miser­i­cor­diae vultus“

Mise­r­an­do atque eligendo.”

Wahlspruch von Papst Franzikus; in etwa: "barmherzigt und sogleich erwählt"